Freitag, 21. November 2008

Mitad del Mundo...Mitte der Welt?

Ich muss gestehen, dass ich in meiner Schulzeit schon schlimme Rechenfehler gemacht habe, aber ich denke nicht, dass man diese vergleichen kann mit dem der hier in Ecuador bei einer DER Touristenattraktion überhaupt passiert ist. So schön auch alles hergerichtet ist in der Ciudad Mitad del Mundo (Stadt der Mitte der Welt) nützt es doch nichts wenn der wirkliche Äquator einige hundert Meter abseits von dem riesigen Denkmal und der schönen roten Linie liegt. Trotzdem hat es mir dort sehr gut gefallen und was das Festhalten dieses Momentes anhand der digitalen Fotografie angeht, eignet sich dieser Ort auch viel besser…

An diesem Punkt musste man sich erstmal in die Schlange der ganzen anderen Touris anstellen, die sich auch genau in der Mitte der Erde fotografieren lassen wollten :)



Die oblogatorischen Bilder...

Die Nord- und Südhälfte vom Denkmal aus.



Danach sind wir dann immer bergauf gewandert um den einzigen bewohnten aktiven Vulkankrater auf der Welt zu sehen. Als wir dann endlich dort oben angekommen waren, hat uns der Guide auf Grund des Nebels davon abgeraten noch weiter an den Rand des Kraters zu klettern, da die Sicht wohl eher dürftig sein würde. Einen echten Tourist hält die Meinung eines Einheimischen aber nicht davon ab 15 Minuten lang einen steilen Trampelpfad nach oben zu kraxeln um dann anschließend...naja nichts zu sehen außer Nebel. Der Guide hat sich auch immer über uns lustig gemacht und Dinge gesagt wie: Wenn hier jetzt nicht der dichte Nebel wäre, könnte man weit unten im Tal die Felder der Einheimischen sehen. Mh... Es war trotzdem ein besonderes Gefühl direkt am Anhang zu stehen und unter sich nichts anderes als Nebel zu sehen und ich sage das nicht nur weil der ganze Aufstieg sonst umsonst gewesen wäre...


Der Weg zum Aussichtspunkt ließ nicht gerade klare Sicht verheißen...
Dorothea vor dem Eingang ins Nichts.

Und der Blick runter in den einzigen bewohnten Vulkankrater...


Wenigstens war unser Führer noch so freundlich uns auf dem Schild zu zeigen, was man HÄTTE sehen können...

Nach der leichten Enttäuschung waren wir dann noch beim richtigen Äquator wo man alle möglichen Experimente machen konnte die beweisen, dass man sich auf dem Äquator befindet.
Zum Beispiel, das Wasserexperiment welches gezeigt hat, dass Wasser auf dem Äquator gerade nach unten abläuft, auf der nördlichen Hälfte im Strudel gegen den Uhrzeigersinn und auf der südlichen Hälfte im Uhrzeigersinn..naja oder andersherum, ich war sehr müde vom Krater...
Außerdem wurde uns auch noch bewiesen, dass man auf dem Äquator viel weniger Kraft hat als daneben. So ist es einem dort kaum möglich den Daumen und Zeigefinger zusammenzuhalten wenn jemand daran zieht. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass es sonst unmöglich ist meinen Stahlgriff zu lockern aber auf der Linie hat man sich doch sehr schwach gefühlt. Auch ist es dort nicht möglich gerade auf der Äquatorlinie zu gehen.


Auf der Äquatorlinie kann man auch noch ein Ei auf einen Nagel stellen, ohne dass es runterfällt. Auch das habe ich leider nur halb geschafft:



Hier noch ein Bild für Julian, der in Kenia ja auch in Äquatornähe ist.

Und noch ein paar tierische Eindrücke, die ich auf dem Ausflug gesammelt habe...


Wenn ich mal reich bin probiere ich vielleicht auch mal diese hundegroßen Meerschweinchen am Spieß.

Dienstag, 11. November 2008

"Urlaub" in und um Cunca

Gestartet...gelandet...da. So kurz kam mir auf jeden Fall die Anreise nach Cuenca vor. Letzte Woche habe ich dort mit
Adeline
Katrina
Anne
und Serene
ein verlängertes Wochenende verbracht. In Cuenca angekommen haben wir, nach ein paar absoluten Nieten, auch gleich ein günstiges Hostel gefunden. Ich weiß nicht mehr genau, ob es die vorhandene Tür vor der Toilette oder der riesige Fernseher mit gratis Kabelfernsehen war, was uns schlussendlich überzeugt hat... Da es hier schon früh dunkel wird und man dann abends nicht mehr allzu lange auf der Straße sein sollte, hat der Fernseher sich abends als sehr nützlich erwiesen. Am Donnerstag abend waren wir auch nur zum Essen in der Stadt und sind dann gleich wieder zurück ins Hostel gefahren, weil es auch am nächsten Morgen schon früh losgehen sollte.

Freitag
Am Freitag standen vormittags die Inkaruinen von Ingapirca auf dem Programm. Die Fahrt dahin kam mir gar nicht so lange vor wie sie wirklich war, weil die Landschaft auf der anderen Seite des Busfensters wirklich sehr schön war. Ein paar Beispiele?

Häuserwände sind immer gute Werbeflächen. Ob für leckere Geschmacksverstärker...
...oder wie es hier in Ecuador meist ist, um seine politische Einstellung an andere weiterzugeben...
Außerdem sieht man auf dem Weg so viele interessante Leute...
....die offensichtlich ein ganz anderes Leben führen als man selbst...
Beim Eintritt in Ingapirca hat sich auch zum ersten Mal mein Censo als nützlich erwiesen, da man so nur die Hälfe bezahlen musste. Die Ruinen selbst...naja meiner Meinung nach war alles ein bisschen zu ordentlich um mich wirklich zu überzeugen obwohl man den Inkas zugestehen muss, dass sie sich wirklich einen Ort mit einer wahnsinns Aussicht ausgesucht haben. Ich habe mir mal für euch ein Bild davon gemacht :)






Mir haben am besten die "Grafittis auf den Pflanzen gefallen



auf denen sich die Ruinenbesucher verewigt hatten. Anschließend sind die anderen, ich und mein unglaublicher Sonnenbrand wieder zurück nach Cuenca gefahren um dort ENDLICH etwas zu essen. Lonely Planet war wie immer eine große Hilfe bei der Auswahl des Restaurants obwohl ein Restaurant dessen Auffahrt mit Knochen gepflastert ist ja auch gar nicht schlecht sein kann...
Samstag
Diesen Tag hatten wir ganz Cuenca gewidmet. Naja nicht ganz Cuenca. Zum Frühstück waren wir nämlich im Café Austria und endlich gab es mal wieder richtiges Frühstück! Sehr lecker. Das Café selbst war von oben bis unten mit Klischees gepflastert und so durten natürlich riesige Bilder von Mozart und Schloss Neuschwanstein (?!) nicht fehlen. Anschließend waren wir(ja ich konnte es auch nicht glauben das ich da war) den ganzen Morgen in einem Museum. Es war aber gar nicht so schlecht, da es draußen riesige Anlagen mit Inkasiedlungen und Gärten gab.
Den Rest des Nachmittags haben wir uns dann Cuenca angeguckt, eine Stadt die nicht nur auf Grund ihrer vielen Kirchen, Parks und gefahrlos begehbaren Bürgersteigen mir um einiges besser gefallen hat als Quito. Ich werde mich demnächst melden um euch zu informieren ob die HCJB Leitung unserem Vorschlag zugestimmt hat, das komplette Gelände dorthin zu verlegen...



Ein weiteres must-see laut Lonely Planet ist ein alter Mann der berühmt ist für seine schönen Panamahüte. Dafür das auch Cuenca eben dafür bekannt ist haben wir ehrlich gesagt aber nicht allzu viele gesehen...den Mann natürlich schon, auch wenn sich dort niemand wirklich einen Hut leisten konnte oder wollte.
Am besten haben mir eigentlich die vielen kleinen Cafés gefallen in denen es eine riesige Auswahl an Torten und Eis gibt. Natürlich nur um Geld zu sparen hat der Nachtisch so oft ganze Mahlzeizen ersetzt.

Sonntag
Da wir abends um 6 schon wieder zurück nach Quito geflogen sind, haben wir den Bus um neun Uhr morgens nach Chordeleg genommen um noch so viel wie möglich zu sehen. Obwohl die Fahrt diesmal nur eine Stunde dauerte, kam es mir viel länger vor, da der Bus wirklich unglaublich unbequem war! Chordeleg selbst ist eine wirklich schöne Kleinstadt aber da sie abgesehen von der schönen Aussicht hauptsächlich für den Verkauf von sehr günstigem und schönem Silberschmuck bekannt ist, gibt es auf Grund der großen Ablenkung nur dieses eine Bild...
Anschließend sind wir dann mit dem Bus weiter nach Sígsig gefahren, wo es einen schönen Sonntagsmarkt geben sollte. In der Stadt selbst gab es dann....nichts....absolut nichts. Für mich und Katrina hat sich die Fahrt dorthin aber trotzdem gelohnt, weil der Busfahrer mich und Katrina, seine "Königinnen mit den großen Augen", neben sich auf der Bank sitzen lassen hat und wir so den alllerbesten Ausblick genießen konnten.


Dann war unsere Reise auch schon vorbei und nach einer 3/4 Stunde Verspätung des Abfluges und nach einem ebensolangen Flug waren wir dann auch schon wieder zurück in Quito. Beim Landeanflug fühlte es sich auch schon fast wie nach Hause kommen an. Aber nur fast. Mein richtiges zu Hause hat schließlich nur eine Hauptstraße und auch keinen Flughafen...

Ach ja, ich habe Lamas gesehen... das Geschirr verrät allerdings, dass sie nicht wirklich frei rumgelaufen sind aber ich denke es war trotzdem ein Foto wert

Dienstag, 4. November 2008

Tradition vs. Grabschändung

Dieses Wochenende fanden hier die Feiern zum"Dia de los Difuntos"(wie der deutsche Totensonntag) statt. Am Freitag gab es eine Feier hier auf dem Gelände von HCJB mit einer Gruppe in Ponchos gekleideter Männer die typisch ecuadorianische Musik gespielt haben, einer Tanzgruppe in Tracht gekleidet und das traditionelle Guagua Pan - Brot...genauer kann ich es auch nicht beschreiben - und Colada Morada als Getränk - ekelig...genauer will ich es gar nicht beschreiben...

Am Sonntag bin ich dann zusammen mit Anne und meinen Nachbarn (zum Glück hat Gott wenigstens manche Menschen mit einem Orientierungssinn gesegnet) nach Calderon gefahren um mir dort auf dem berühmten Friedhof die Feier anzugucken. Es ist echt schön, wie viel man hier erleben und angucken kann und man muss gerade mal ein paar Mal 25 Cent bezahlen für die Busfahrt dorthin...
Schon an der langen Schlange fröhlicher Menschen vor dem Friedhof wird einem der Unterschied zu einem deutschen Friedhof bewusst. Ich würde mich jetzt zwar nicht als Experte bezeichnen, aber ich denke die wenigsten Leute kommen zum Feiern an so einen Ort.

Der Friedhof selbst ist einfach nur ein totales Durcheinander aus selbstgebastelten Kreuzen aus allen möglichen Materialien und in verschiedenen Größen und Ausführungen. Selbst auf dem Friedhof konnte man gut den Unterschied zwischen arm und reich sehen, da die Grabsteine sich doch stark unterscheiden...
Der Friedhof in Calderon ist der einzige, auf dem die Menschen nicht nur Blumen ablegen, sondern auch mit den Verstorbenen zusammen essen. Wenn man sieht, wie eine Großfamilie mit Pfannen und Töpfen zusammengedrängt auf einem Grab sitz oder auch das Nachbargrab als Sitzbank benutzt, könnte man nach deutschen Maßstäben schon von Grabschändung reden. Hier ist das aber ganz normal, dass die Kinder auf den Gräbern rumspringen...

Die Leute die hier zum Feiern zusammenkommen sind wirklich sehr unterschiedlich. Da es eigentlich eine alte Inkatradition ist, sieht man viele alte Leute aber auch Kinder in der typischen Tracht. Andererseits sitzen dann aber auch die Jugendlichen in Gruppen zusammen und spielen mit ihren Handys.Zur Feier des Tages essen die Familien das Lieblingsessen des Verstorbenen der natürlich auch eine Portion aufs Grab gelegt bekommt...
Aber ich denke auch das eigene Lieblingsessen kommt hier nicht zu kurz...

Diese Frau ist eine professionelle Beterin. Die Leute können die Frau bestellen damit sie für ihre Verwandten betet und bezahlen sie für diesen Dienst mit Essen, welches die Frau in der Tüte vor sich sammelt.

Überall an den Gräbern hängen diese Kränze die liebevoll aus zum Beispiel alten Chipstüten gebastelt werden und dann vor dem Friedhof gekauft werden können...


Auch außerhalb des Friedhofes wird weitergefeiert mit lecker Schwein
und einem nicht sehr vetrauenserweckenden "Riesenrad"












Später waren Anne und ich dann noch im total ausgestorbenen Gringoviertel Mariscal.

Da es dort sonst vor Menschen nur wimmelt konnte man auch mal ganz ungestört Bilder machen :)