Dienstag, 4. November 2008

Tradition vs. Grabschändung

Dieses Wochenende fanden hier die Feiern zum"Dia de los Difuntos"(wie der deutsche Totensonntag) statt. Am Freitag gab es eine Feier hier auf dem Gelände von HCJB mit einer Gruppe in Ponchos gekleideter Männer die typisch ecuadorianische Musik gespielt haben, einer Tanzgruppe in Tracht gekleidet und das traditionelle Guagua Pan - Brot...genauer kann ich es auch nicht beschreiben - und Colada Morada als Getränk - ekelig...genauer will ich es gar nicht beschreiben...

Am Sonntag bin ich dann zusammen mit Anne und meinen Nachbarn (zum Glück hat Gott wenigstens manche Menschen mit einem Orientierungssinn gesegnet) nach Calderon gefahren um mir dort auf dem berühmten Friedhof die Feier anzugucken. Es ist echt schön, wie viel man hier erleben und angucken kann und man muss gerade mal ein paar Mal 25 Cent bezahlen für die Busfahrt dorthin...
Schon an der langen Schlange fröhlicher Menschen vor dem Friedhof wird einem der Unterschied zu einem deutschen Friedhof bewusst. Ich würde mich jetzt zwar nicht als Experte bezeichnen, aber ich denke die wenigsten Leute kommen zum Feiern an so einen Ort.

Der Friedhof selbst ist einfach nur ein totales Durcheinander aus selbstgebastelten Kreuzen aus allen möglichen Materialien und in verschiedenen Größen und Ausführungen. Selbst auf dem Friedhof konnte man gut den Unterschied zwischen arm und reich sehen, da die Grabsteine sich doch stark unterscheiden...
Der Friedhof in Calderon ist der einzige, auf dem die Menschen nicht nur Blumen ablegen, sondern auch mit den Verstorbenen zusammen essen. Wenn man sieht, wie eine Großfamilie mit Pfannen und Töpfen zusammengedrängt auf einem Grab sitz oder auch das Nachbargrab als Sitzbank benutzt, könnte man nach deutschen Maßstäben schon von Grabschändung reden. Hier ist das aber ganz normal, dass die Kinder auf den Gräbern rumspringen...

Die Leute die hier zum Feiern zusammenkommen sind wirklich sehr unterschiedlich. Da es eigentlich eine alte Inkatradition ist, sieht man viele alte Leute aber auch Kinder in der typischen Tracht. Andererseits sitzen dann aber auch die Jugendlichen in Gruppen zusammen und spielen mit ihren Handys.Zur Feier des Tages essen die Familien das Lieblingsessen des Verstorbenen der natürlich auch eine Portion aufs Grab gelegt bekommt...
Aber ich denke auch das eigene Lieblingsessen kommt hier nicht zu kurz...

Diese Frau ist eine professionelle Beterin. Die Leute können die Frau bestellen damit sie für ihre Verwandten betet und bezahlen sie für diesen Dienst mit Essen, welches die Frau in der Tüte vor sich sammelt.

Überall an den Gräbern hängen diese Kränze die liebevoll aus zum Beispiel alten Chipstüten gebastelt werden und dann vor dem Friedhof gekauft werden können...


Auch außerhalb des Friedhofes wird weitergefeiert mit lecker Schwein
und einem nicht sehr vetrauenserweckenden "Riesenrad"












Später waren Anne und ich dann noch im total ausgestorbenen Gringoviertel Mariscal.

Da es dort sonst vor Menschen nur wimmelt konnte man auch mal ganz ungestört Bilder machen :)

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